Tagesseminar mit Dr. Udo Ganslosser Biologie der Aggression Aggression wir störend oft empfunden, derweil sie mit Krawall verbunden, dabei ist Aggression genau gesagt sind die (mindestens drei) Formen der Aggression wichtige biologische Regulationsmechanismen, die ein Zusammenleben von Organismen bei gleichzeitiger Sicherung der Überlebenschance des Individuums regeln. Konflikt und Kooperation sind zwei Seiten einer Medaille, beide schaffen im Sozialleben den optimalen Kompromiss und Interessenausgleich. - was ist Aggression im verhaltensbiologischen Sinne - welche Formen der Aggression zeigen Hunde? - Sind Drohung und Abwehrverhalten schon Anzeichen von Aggression? - aggressionsbedingte Verhaltensweisen in Bezug auf Gene und Aufzuchtbedingungen? - welche Bedeutung hat Aggression im kommunikativen Miteinander von Hunden - Wie geht man mit Hunden um, die als aggressiv gelten? - Was geht in einem Hund vor sich, der als gefährlich gilt und was sollte man beachten? Die Befunde aus der neueren Aggressionsforschung lassen hormonelle und neuronale Steuerung, aber auch Erkrankungen mit aggressionsauslösenden Symptomen besser verstehen. Verhaltensbiologische Untersuchungen und Modellrechnungen zeigen den Zusammenhang zwischen Wert einer Beziehung und Eskalation, zwischen Risiko und De-Eskalation. Eine Betrachtung der Biologie der Aggression muss aber auch stammesgeschichtliche und individualgeschichtliche Befunde berücksichtigen. Nur so kann verstanden werden, warum manche Rassen, oder manche Individuen sich hier völlig anders verhalten als andere, und wie eventuell auch eine generelle Beeinflussung aggressionsproblematischer Tiere erfolgen kann. Dr. Udo Gansloßer, Priv.Doz. für Zoologie am Zool Institut und Museum der Univ. Greifswald, ist bekannt für seine äußerst kompetenten und unterhaltsamen Vorträge. Er wird auf spannende und verständliche Weise die Lebensweise und das Verhalten der wilden Hunde erklären und die Bedeutung von Rudel, Revier und Jungtieraufzucht auf die Methoden zur Ausbildung von Haushunden darstellen. Gedankenstützen vom Seminartag (meine Notizen) Historische Gegenüberstellung der beiden Forschungsrichtungen: Konrad Lorenz /Skinner, Watson 1. traditionelle Ethologie nach K. Lorenz - ein innerer Antrieb ist der Auslöser von Verhalten „Trieb“ - das Zusammenspiel zwischen inneren und äußeren Faktoren ergeben das ausgelöste Verhalten - angeborene Komponente ist vorhanden (Zweck: Arterhaltung) 2. vergleichende Psychologie - Aggression entsteht nur auch Frustration > Reaktion auf ungünstige Umweltumstände - Aggressives Verhalten ist erlernbar durch Vorbilder und Lernen am Erfolg Beispiele von Studien zur Untermauerung der jeweiligen Theorie: > Kinder sehen einen Clown mit einer Puppe und ahmen dessen Verhaltensweisen nach > Ratten wurden mit E-Schocks behandelt und das Verhalten gegenüber Artgenossen untersucht > Falle aus der Psychatrie: man untersuchte familiäre Häufungen > Man untersuchte Mäuse- und Rattenstämme mit besonderer Aggression > Untersuchungen von siamesischen Kampffischen (welche über derart erhöhte Aggression verfügen, dass sie nur einzeln gehalten werden können) > Genetische Selektion auf unterschiedliche Verhaltensweisen, z.B. Neugier, Mut, Aktivität > hierbei entstanden Tiere mit erhöhter Aggressionsbereitschaft (als „Nebenwirkung“) Aggressionsähnliches Verhalten, aber keine Aggression > Beutefangverhalten, bis hin zum Töten des erjagten Tieres (hier zeigt die Mimik deutlich, dass keine Aggression vorliegt) > Ökologische Konkurrenz > Infantizid (Kindstötung) o Außen (Tötung durch benachbarte Tiere auch ohne Futterknappheit) o Innerhalb des Sozialverbandes (kein Nachwuchs für rangniedere Tiere) Was ist Aggression und welche Arten von Aggression gibt es? Definition: Aggression liegt dann vor, wenn Androhung oder Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung eigener Interessen und zur Konfliktlösung genutzt wird. Selbstverteidigung (Angstaggression): Hierbei ist entscheidend, wie das Lebewesen die Situation bewertet. Selbstverteidigung findet nur statt, wenn kein anderer Ausweg gesehen wird. Hierunter fallen auch Stressreaktionen. Verhalten geschied schnell/plötzlich ohne Drohverhalten, nahezu explosionsartig (damit das Tier seinen Verteidigungszweck erreicht). Ausgeprägtes Erkennungszeichen dieser Art der Aggression: das Verhalten wirkt selbstbelohnend. Der Hund lernt am Erfolg! Die Handlung/ das Verhalten ist ermüdungsfrei. Vorbeugugn: Kennenlernen verschiedener Situationen im Junghundealter Therapie:langsame, stufenweise Erhöhung der Reizschwelle /Gewöhnung Im Gehirn wirksame Stoffe: o Noradrenalin (als Verstärkersubstanz) (> hieraus ergibt sich auch ein Suchtproblem!) o Dopamin o Cortisol (verstärkend beim situativen Lernen) Aufgrund der Stoffwechselvorgänge ist die Kastration beim Rüden kontraproduktiv, bei Hündinnen kann sie evt. hilfreich werden Jungtierverteidigung im weiteren Sinne: Das Verhalten tritt präventiv auf, da der Zweck ist, die Jungtiere flüchten zu lassen. Hierbei entsteht auch eine Traditionsbildung (den Jungtieren werden Feindbilder gezeigt) Die Risikobereitschaft des verteidigenden Tieres steigt mit der Erfahrung und dem Alter, da die Tiere biologisch weniger Gelegenheiten haben werden, sich fortzupflanzen) Wettbewerbsaggression: Hierbei geht es nicht nur um Erhalt von Ressourcen. Das Verhalten wird langsam bei zur Eskalation gesteigert. Das Verhalten ist abhängig vom Verhalten des Gegners. Im Gehirn wirksame Stoffe: o Sexualhormone ? Testosteron (bei Hündinnen wird das jedoch von Östrogen unterdrückt) o Serotonin o Oestrogene (um den Läufigkeitszeitraum) Beziehungsaggression – Eifersucht / Partnerschutz Im Gehirn wirksame Stoffe: o Oxydozin (>Bindung / Vertrauen) o Vasopressin (>Partnerschutz, andere auf Distanz halten) o Cortisol (>Futter- und sonstige Ressoursenverteidigung) Genetische Einflüsse auf aggressives Verhalten Mäuse veränderten sich vorhersagbar innerhalb von 10 – 15 Generationen |